Ein Gleitwirbel beim Hund ist ein unnatürlich beweglicher Rückenwirbel, der seine normale Position innerhalb der Wirbelsäule verlässt und dadurch Beschwerden verursacht. Man kann sich vorstellen, dass dies bei einem komplexen Konstrukt wie der Wirbelsäule, die bestimmte Bewegungen von Natur aus zulässt, aber an anderer Stelle auch wieder Beweglichkeit begrenzt, große Auswirkungen hat. Zumal die Wirbelsäule umgeben ist von Nerven, Muskeln, Sehnen und Bändern. Diese unnatürliche Beweglichkeit hat also unmittelbare Auswirkungen auf die Strukturen, die die Wirbelsäule umgeben.

Bei einem Gleitwirbel handelt es sich also um eine Instabilität der Wirbelsäule, bei der sich zwei Wirbel gegeneinander verschieben. In der Regel verschiebt sich der gesamte Wirbel, also auch der Wirbelbogen mit seinen Querfortsätzen und die oberen Gelenkfortsätze. Da in diesen Bereichen auch Nerven verlaufen, führt dies fast unweigerlich dazu, dass Nerven eingeklemmt werden. Das wiederum bedeutet, dass die Nerven geschädigt werden und im schlimmsten Fall in ihrer Funktion eingeschränkt sind oder ausfallen.

Die Ursachen eines Gleitwirbels

Es gibt unterschiedliche Ursachen für einen Gleitwirbel. Häufig handelt es sich um eine angeborene Verformung der Wirbelsäule. Es kann aber auch eine nicht angeborene Veränderung der Wirbelsäule vorliegen. Dazu gehören beispielsweise Verschleißerscheinungen der Wirbelgelenke (Facettenarthrose), Knochenabbau oder aber vorangegangene Brüche. Verschleißerscheinungen der kleinen Wirbelgelenke (Facettenarthrose) sind allerdings die häufigste Ursache.

Symptome – diese Probleme verursacht ein Gleitwirbel beim Hund

Ein Gleitwirbel verursacht vor allen Dingen Schmerzen. Durch die Reizung und auch das Ein- bzw. Abklemmen der Nerven kommt es auch zu neurologischen Problemen. Je nach Position des Gleitwirbels können das beispielsweise Lähmungserscheinungen der Hinterläufe, aber auch aller vier Läufe sein, Koordinationsstörungen oder Pfotenschleifen  sein. Auch die Blasen- und Darmfunktion kann gestört sein. In der Folge wird auch die Muskulatur schwächer.

Durch die unphysiologische Beweglichkeit der Wirbel kommt es auch zu einem übermäßigen Verschleiß der Bandscheiben. Bandscheibenvorfälle können somit eine Folge sein. Auch kann es durch die Reizung zu einem übermäßigen Verschleiß der Wirbelgelenke kommen und infolge dessen zu Spondylarthrose.

Diagnose der Spondylosisthesis

Um den Gleitwirbel von anderen Erkrankungen abzugrenzen, die ähnliche Beschwerden und Symptome verursachen, wird zunächst ein neurologisch-orthopädischer Untersuchungsgang und eine gründliche Anamnese durchgeführt. Bildgebende Verfahren wie ein MRT geben hier besonders gut Aufschluss darüber, oder der Hund unter einem Gleitwirbel oder einer anderen Erkrankung der Wirbelsäule leidet.

Differenzialdiagnose – welche anderen Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden?

In jedem Fall müssen andere Wirbelsäulenerkrankungen wie beispielsweise Spondylose, ein Bandscheibenvorfall, das Wobbler Syndrom oder das Cauda Equina Compressions Syndrom ausgeschlossen werden.

Behandlung eines Gleitwirbels

Die Art der Behandlung hängt vor allem immer von der Ausprägung des Gleitwirbels und den Beschwerden des Patienten ab. Immer jedoch empfehle ich unbedingt eine Stärkung der Rückenmuskulatur, um die Wirbelsäule zu entlasten und zu stabilisieren. So kann eine weitere Schädigung der umliegenden Strukturen vermieden werden und auch Schmerzen genommen werden.  Zusätzlich empfiehlt sich bei der konservativen Behandlung eine Gabe entzündungshemmender und schmerzlindernde Medikamente. Auch Nahrungsergänzungsmittel können hier gute Dienste leisten. Zusätzlich kann eine Neuraltherapie für Schmerzlinderung sorgen.

Auch eine operative Stabilisierung des Gleitwirbels ist möglich. Hier findet die minimalinvasive Vertebralverblockung Anwendung. In jedem Fall sollte ein betroffener Hund durch Hundephysiotherapie begleitet werden.

Therapieziele der Physiotherapie

An erster Stelle steht hier immer ein gutes Schmerzmanagement. Das bedeutet, Schmerzen sollten so weit wie möglich gelindert werden und kontrolliert werden. Bei der Behandlung eines Patienten mit einem Gleitwirbel steht auch die Stärkung der Rückenmuskulatur ganz klar im Vordergrund, um der Wirbelsäule Stabilität zu geben und weiterer Schädigung der Nerven und umliegenden Strukturen vorzubeugen. Auch eine Verbesserung und Stärkung der Nervenfunktion durch gezieltes Training, ist immer Bestandteil der Behandlung. Gleitwirbel beim Hund

Sehr wichtig ist hier auch, dass der Hundehalter entsprechende Übungen zur Stärkung der Muskulatur, der Koordination und zum Erhalt der Beweglichkeit an die Hand bekommt, die er regelmäßig zwischen den physiotherapeutischen Sitzungen mit seinem Hund durchführt.

Verhaltenstipps im Alltag bei einem Gleitwirbel beim Hund

Ich empfehle dir, darauf zu achten, dass du in Hundebegegnungen unbedingt das Aufreiten anderer Hunde vermeidest. Auch wildes Spiel, Rempler etc. sollten in jedem Fall vermieden werden. Auch das Tätscheln des Hundes auf dem Rücken ist unbedingt zu vermeiden, da es sehr unangenehm ist.

Passe die Belastung deines Hundes immer seinem Krankheitszustand an. Das kann auch von Tag zu Tag unterschiedlich sein. Es ist besser, lieber mehrere kurze Spaziergänge zu machen, als zwei oder drei lange Gassirunden. Sprünge in das Auto oder heraus solltest du ebenfalls vermeiden, da sie eine große Belastung für die Wirbelsäule sind. Hier kannst du sehr gut eine Rampe fürs Auto nutzen. Liegt dein Hund gern auf dem Sofa oder im Bett? Dann gibt es tolle Hundetreppen, mit denen er Sofa und Bett leicht erreicht.

In Sachen Schlaf solltest du darauf achten, dass die Wirbelsäule möglichst druckentlastend gelagert ist. Wenn wir bedenken, dass unsere Hunde 17-20 Stunden schlafen und Ruhen, ist das ein besonders wichtiger Punkt. Hier lege ich dir unbedingt ein orthopädisches Hundebett ans Herz. Sportarten wie Agility sind absolut tabu. Enge Wendungen, kurze Stopps etc. sind Gift für die Wirbelsäule. Wenn dein Hund übergewichtig ist, dann ist eine Gewichtsreduktion unerlässlich, um seine Wirbelsäule nicht noch mehr zu belasten. Bei schlechtem Wetter macht es Sinn den Rücken deines Hundes mit einem Hundemantel warm zu halten.

Du siehst, es gibt eine Menge Möglichkeiten, deinen Hund im Alltag zu unterstützen und ihm mit einfachen Mitteln Erleichterung zu verschaffen. Dein Hund kann mit einem Gleitwirbel gut leben. Allerdings muss die Erkrankung entsprechend behandelt und begleitet werden und im alltäglichen Leben verschaffen schon einfach umzusetzende Tipps eine enorme Erleichterung für deinen Hund.