Fitnesstraining beim Hund wird immer unweigerlich verbunden mit Balancepads und Balanceboards in allen Farben und Größen. Aber warum eigentlich?! Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Artikel schreibe und meine Gedanken dazu teile. Doch mir rollen sich immer wieder die Zehennägel auf, wenn ich sehe, wie Hunde in Videos mühsam um Haltung kämpfen und alles beim Training haben – aber keinen Spaß und keinen Trainingseffekt. Der Halter ist aber wahnsinnig stolz, wie der Vierbeiner sich da auf dem wackeligen Konstrukt aus 5 verschiedenen Gummipads in bunter Farbvielfalt hält. Ja, das ist jetzt überspitzt dargestellt, aber die (traurige) Realität ist davon oft gar nicht so weit entfernt.

Das hat nichts mit Fitnesstraining oder Balancetraining zu tun

Die unsachgemäße Nutzung von Balancepads, Balanceboards und Wackelbrettern führt nämlich garantiert nicht zum Muskelaufbau und auch nicht zu einem guten Körpergefühl. Du magst mich jetzt für einen bunte-Balancepads-Gegner halten. Und in gewissen Punkten bin ich das auch. Als Hundephysio kann ich dir sagen, dass all diese Trainingsutensilien bei unsachgemäßer Nutzung eher Schaden anrichten als zu nutzen.

Aber ich will nicht weiter schimpfen. Viele Hundehalter möchten ihrem Hund etwas Gutes tun und seine Gesundheit unterstützen. Und das ist ja erst einmal auch sehr gut so. Bei der Recherche stolpert man dann über die nett anzusehenden Fitnessutensilien für den Hund – und schlägt zu.

Aber wie nun einsetzen? Fitnesstraining beim Hund

Erst einmal gar nicht! Stelle sie in die Ecke. Dein Hund braucht sie nämlich zum Einstieg in das Fitness- oder Bewegungstraining nicht.

Du fragst dich warum?

Um dir diese Frage zu beantworten, stellen wir uns vor, wie wir Menschen es handhaben, wenn wir neu in einen Sport einsteigen. Ganz einfach: wenn du mit einem Sport beginnst, dann gehst du ganz strukturiert an das Training heran. Man beginnt mit den Basics. Du erarbeitest dir die Grundlagen der Sportart und schaffst eine gewisse (sportartenbezogene) „Basisfitness“. Die Bewegungen und mögliche Griffe müssen sitzen und du musst dich sicher bewegen, bevor die nächsten Schritte gemacht werden. Das sorgt dafür, dass du mit dem Sport vertraut und auch sukzessive besser wirst. Zudem wird dein Verletzungsrisiko gemindert. Wenn du das nicht machst und zur überambitionierten Fraktion gehörst, die sofort auf einem höheren Level einsteigt, bist du sicher mit dem schmerzhaften Muskelkater am nächsten Tag und Frustration durch fehlenden Trainingserfolg gut vertraut.

Und warum soll dein Hund als Einsteiger im Fitness– und Bewegungstraining sofort seine Übungen auf einem flexiblen Untergrund durchführen?

Richtig, das macht keinen Sinn. Auch im Bewegungstraining beim Hund fängt man – wenn man es fachlich korrekt angeht – erst einmal auf dem ganz normalen Untergrund an. Und zwar mit einfachen Basisübungen. Jede Übung, die du mit deinem Hund machst, sollte er souverän und sicher auf einem stabilen Untergrund durchführen können. Die Bewegungen sollten korrekt sein, damit sich die Bewegungsabläufe auch korrekt im Gehirn abspeichern. Fitnesstraining beim Hund

Dann erst – und wirklich dann erst – kann man beginnen, selbige Übungen auf einem flexiblen Untergrund wie einem Balancepad durchzuführen.

Deshalb solltest du mit deinem Hund erst später auf flexiblen Untergründen trainieren

Der flexible Untergrund hat es in sich. Der Hund ist nicht mehr nur mit der korrekten Durchführung der Bewegung beschäftigt, sondern muss sich auch noch ausbalancieren. Auch der Anspruch an die Muskulatur ist deutlich höher. Er muss viel mehr Muskelkraft aufbringen. Das verlangt körperlich einiges von ihm.

Das passiert bei unsachgemäßer Nutzung von Balancepads & Co.

Wenn du nun mit diesem Wissen hingehen würdest und Übungen, mit denen dein Hund nicht vertraut ist, direkt auf einem flexiblen Untergrund trainieren würdest, ist es klar das folgendes passiert:

  • Bewegungen werden nicht mehr korrekt, bewusst und sauber durchgeführt
  • Dein Hund ist unsicher in den Bewegungen Fitnesstraining beim Hund
  • Seine Muskulatur spannt an – und zwar der ganze Körper – denn er kämpft ja verbissen um „Haltung“. Ein aktives Muskeltraining ist an dieser Stelle NICHT möglich! Oder hast du schon einmal mit verspannter Muskulatur ein effektives Muskelaufbau-Training erreicht?
  • Das Gegenteil passiert: die Muskulatur deines Hundes verspannt. Verspannungen haben Schmerzen und Schonhaltungen zur Folge.
  • In der Summe wirken sich diese Dinge negativ auf sein Körpergefühl aus

Ich bin mir sicher, dass alles das nicht zu den Dingen gehört, die du erreichen möchtest. Daher solltest du deinen eigenen Ehrgeiz außen vorlassen und dich nicht blenden lassen von bunten Gummipads.

So sieht verantwortungsvolles Fitness- und Bewegungstraining beim Hund aus

Verantwortungsvoll betriebenes Fitness- und Bewegungstraining beim Hund sollte immer sinnvoll und planvoll aufgebaut werden. Hierzu geht man vom einfachen zum komplexen – in Sachen Anspruch und in der Bewegung ansich. Überlege dir auch, was dein Trainingsziel für deinen Hund ist. Bei der Auswahl der Übungen ist es auch sinnvoll, sich von einer Fachfrau/ einem Fachmann unter die Arme greifen zu lassen.

Dein Hund sollte Grundbewegungen gut beherrschen, eine gewisse Basisfitness haben und auch am Körpergefühl sollte gearbeitet werden. Dazu braucht es zu Beginn weder komplexe Bewegungen und aufwändige Tricks, noch besonderes Equipment.

Effektive Übungen müssen nicht spektakulär aussehen!

Der Effekt einer Übung macht sich nicht daran fest, wie komplex und aufregend sie aussieht. Schon sehr einfache Übungen haben einen großen und nachhaltigen Trainingseffekt. Als Beispiel führe ich da gern meinen geliebten Steh-Sitz Transfer an. Fast jeder Hund kennt das Signal. Das ist schon einmal eine gute Voraussetzung. Dein Hund kann sich dann nämlich sehr gut auf die Bewegung an sich konzentrieren. Beim (simplen) Hinsetzen und Aufstehen trainierst du die Beweglichkeit der Hinterläufe deines Hundes – und zwar von der Hüfte, über Knie bis hin zum Sprunggelenk. Zusätzlich aber auch die Muskulatur der Hinterläufe und des unteren Rückens.

Und das mit einem einfachen Steh Sitz Transfer. Ohne Equipment.

Die Krux an der Sache ist allerdings, dass es für viele Hunde jeden Alters und Fitnesslevel nicht selbstverständlich ist, dass er sich korrekt hinsetzen kann. Wenn du mehr über das korrekte Sitz bei deinem Hund erfahren möchtest, dann ist mein Artikel zum korrekten Sitzen und wie du es trainierst perfekt für dich,

Fazit: Fitnesstraining beim Hund – mit oder ohne Balancepads & Co.

Du siehst also, wo wir beim Fitnesstraining beim Hund ansetzen müssen: bei einfachen Bewegungen, die dein Hund lernt, korrekt durchzuführen. Dann kann man komplexere Bewegungsabläufe ins Training einbauen und sukzessive dem Fitnessstatus entsprechend auch flexible Untergründe mit einbauen.

Ich bin ganz sicher kein Gegner der Balancekissen, -pads & Co. und nutze sie selbst immer wieder im Training. Aber eben erst, wenn der Hund es auch körperlich leisten kann und gewissen Grundbewegungen und eine Basisfitness gegeben sind. Mir liegt es am Herzen, dass sie sinnvoll ins Training eingebaut werden, damit der Nutzen für die Fitness des Hundes tatsächlich gegeben ist. So stellst du sicher, dass du mit Bewegungstraining beim Hund deinem Vierbeiner einen wirklichen gesundheitlichen Nutzen bietest. Fitnesstraining beim hund

Alles Liebe, deine Tina