Kennst du das: Du siehst Hunde, die bewegen sich leicht, mühelos und elegant. Und dann gibt es jene, die scheinbar gnadenlos überall anstoßen und echte Grobmotoriker sind? Das gibt es wirklich. Nicht nur bei uns Menschen ist es so, dass die einen eine gut ausgeprägte Feinmotorik haben und andere wiederum echte Grobmotoriker sind. Auch unseren Hunden kann es an Feinmotorik fehlen.

Doch was genau bedeutet Motorik überhaupt? Feinmotorik beim Hund

Der Begriff Motorik, abgeleitet aus dem Lateinischen von movere – bewegen – steht für die Gesamtheit Muskelbewegung. Bei der Motorik wird zwischen Grobmotorik und Feinmotorik unterschieden. Grobmotorik beinhaltet Bewegungsfunktionen, welche der Gesamtbewegung dienen (z.B. Laufen oder Springen).

Was bedeutet Feinmotorik beim Hund?

Unter Feinmotorik versteht man gezielte, kleine, filigrane, präzise und koordinierte Bewegungen. Für eine gute Feinmotorik müssen alle Bereiche des Körpers gut zusammen passen und funktionieren. Besonders wichtig hierfür ist, dass ein Hund eine gute Wahrnehmung seines eigenen Körpers hat. Feinmotorik ist für die Erkundung des Nahraums wichtig. Im Gegensatz zur Grobmotorik, die für die Erkundung des Fernraums bedeutsam ist.

Ohne gute Feinmotorik ist es schwer, im täglichen Leben zurecht zu kommen. Es geht dabei um die exakte Einzelbewegung der einzelnen Körperteile und auch die Zielgenauigkeit

Folgende Voraussetzungen benötigt man um feinmotorisch geschickt arbeiten zu können:

  • ein Gefühl für feine Bewegungen
  • ausreichende Muskelspannung
  • Ausführung zielorientierter Bewegungen
  • Kraftdosierung

Warum ist Feinmotorik so wichtig? Feinmotorik beim Hund

Die Feinmotorik ist sehr wichtig, damit kleine, filigrane Bewegungsabläufe sicher und zielgenau durchgeführt werden können.  Dadurch werden im alltäglichen Fortbewegen und Leben Verletzungen vermieden. Aber auch bei jeder Form von sportlicher Aktivität werden Verletzungen vermieden. Ohne eine gute Feinmotorik ist es auch nicht möglich wirklich gezielt (erfolgreich) sportlich aktiv zu sein.

Was sind die Folgen von schlechter Feinmotorik?

Hunde mit einer schlechten Feinmotorik haben in der Bewegung oft Probleme, sich zielgerichtet im Nahraum sicher zu bewegen. Bei diesen Hunden kommt es häufiger zu Stolperern und Verletzungen. Auch bei sportlich aktiven Hunden zeigen sich besonders in den „Feinheiten“ Schwierigkeiten und das Verletzungsrisiko steigt signifikant an. Feinmotorik beim Hund

Übrigens: Fehler in der Grobmotorik sind leichter zu erkennen als in der Feinmotorik.

Viele Hunde haben ein schlechtes Körpergefühl

Das Problem ist, dass bei vielen Hunden das Körpergefühl nicht stimmt. In den Bewegungsabläufen der Hunde zeigt sich, dass für viele Hunde gefühlt ihr Körper hinter dem Rumpf aufhört. Die Hinterläufe scheinen nicht richtig dazuzugehören. Zusätzlich spielt auch die Kraftdosierung eine große Rolle.

Für welche Hunde ist das Training sinnvoll?

Grundsätzlich schadet es keinem Hund, die Feinmotorik regelmäßig zu trainieren. Schon für einen Welpen ist es hilfreich, wenn er sich sicher im Leben bewegt. Doch es gibt auch Erkrankungen wie z.B. Bandscheibenvorfälle, die durch neurologische Ursachen die Feinmotorik stören. Auch hier ist es wichtig, die Feinmotorik wieder zu trainieren. Bei vielen älteren Hunden läßt im natürlichen Alterungsprozess die Feinmotorik nach. Das macht das alltägliche Leben schwer. Regelmäßiges Training ist eine tolle Unterstützung und bringt schnell Fortschritte. Auch Sporthunde brauchen für eine sichere und erfolgreiche Ausführung ihres Sports eine gute Feinmotorik.

Man sieht, in allen Lebenslagen ist eine gute Feinmotorik unverzichtbar. Feinmotorik beim Hund

Beim Training gibt es einige wichtige Punkte zu beachten:

Bevor wir mit konkreten Vorschlägen fortfahren, wie man die Feinmotorik trainieren kann, möchte ich darauf eingehen, dass es dabei einige Punkte für ein erfolgreiches Training zu beachten gibt.

Die Durchführung der Übungen sollte möglichst langsam und bewusst erfolgen. Das Gehirn speichert Bewegungsabläufe in einem gewissen Tempo ab, quasi einem Wohlfühltempo. Um Bewegungsabläufe – und insbesondere kleine und filigrane Bewegungsabläufe – gezielt zu trainieren und im Gehirn zu manifestieren, müssen sie langsamer erfolgen, als sie normalerweise durchgeführt werden. Zudem ist es sehr wichtig, dass diese Bewegungen in Form von Übungen regelmäßig wiederholt werden, damit das Gehirn sie dauerhaft abspeichert. Beim Training geht es nicht um eine möglichst hohe Komplexität der Übungen, sondern es empfiehlt sich, mit einfachen Bewegungsabläufen zu beginnen und die Komplexität langsam zu steigern.

Es empfiehlt sich, die Übungseinheiten kurz zu halten, da sie ein sehr hohes Maß an Konzentration erfordern. Ansonsten ist der Hund überfordert und das Trainingsergebnis wird eher schlechter als besser.

So kannst du die Feinmotorik deines Hundes trainieren

Propriozeptives Training

Bei der Propriozeption oder Tiefensensibilität handelt es sich um die Eigenwahrnehmung des Körpers. Mit dem propriozeptiven Training wird neben der Koordination und Körperwahrnehmung auch die Geschwindigkeit und Zielsicherheit der Ausführungen einer Bewegung geschult – sprich die Feinmotorik. Feinmotorik beim Hund

Dies schützt vor Verletzungen im Alltag und Sport und fördert zudem die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit des Hundes. Indem man den Hund im Schritt über verschiedene Untergründe, unebene Bodenbeschaffenheiten oder labile Unterlagen laufen lässt, werden die Propriozeptoren aktiviert.

Für das Training gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Verschiedene Untergründe – der propriozeptive Parcours

Hier muss der Hund sich möglichst langsam mit gezielten Bewegungen über verschiedene Untergründe bewegen. Die Bestandteile des propriozeptiven Stegs kannst du selbst zusammenstellen und variieren. Sand, Korken und Kiesel kann man in flachen Holzschalen deponieren.

Ideen für den Parcours:

  • Sand
  • Korken
  • Kiesel (oder Mosaikfliesen mit Kieselstruktur)
  • Kunstrasen
  • Gummimatte
  • eine (Luft-) Matratze

Auf dem Spaziergang

Auch auf dem täglichen Spaziergang bieten sich viele Möglichkeiten, um neben Koordination und Körpergefühl auch die Feinmotorik zu trainieren:

  • Abgemähte Felder
  • Waldboden mit kleinen Wurzeln
  • Sandboden
  • Kieselweg

Führe deinen Hund hier im Schritt über die verschiedenen Untergründe. Damit du das Tempo gut steuern kannst, empfiehlt es sich, dass du deinen Hund an der Leine führst. Halte die Einheiten des Trainings kurz und variiere die Untergründe häufiger, damit sich kein Gewohnheitseffekt einstellt. Feinmotorik beim Hund

Weitere Übungen aus dem aktiven Bewegungstraining

Es gibt eine Vielzahl an Übungen aus dem aktivem Bewegungstraining, die gezielt die Feinmotorik deines Hundes trainieren.  Es geht dabei immer um bewusste, zielgerichtete und langsame Bewegungen.

Cavaletti Training

Das Cavaletti Training ist extrem vielseitig und komplexer für den Hund, als man denkt. Ich stelle dir hier eine Basisvariante vor.

Du setzt dich mit gespreizten Beinen auf den Boden. Dein Hund sollte neben dir absitzen. So kommt er zur Ruhe und kann sich konzentrieren. Führe ihn langsam, Schritt für Schritt über deine Beine. Damit er versteht, was du von ihm möchtest, ist es zu Beginn sinnvoll, wenn du deine Hand über deine Beine führst. So folgt er deiner Hand und steigt über deine Beine. Auf der anderen Seite angekommen, kannst du ihn wieder absitzen lassen und ihn belohnen. Nun geht es wieder zurück über deine Beine. Je langsamer dein Hund geht, desto besser ist es, denn so werden die gesunden Bewegungsabläufe im Gehirn des Hundes abgespeichert. Wenn dein Hund verstanden hat, worum es geht, kannst du das Gehen über deine Beine auch mit einem Wortsignal verbinden. Belohnen solltest du ihn dann jeweils, wenn er auf der anderen Seite angekommen ist. So ist er nicht auf das Futter konzentriert, sondern voll und ganz bei der Bewegung.

Slalom Training

Für das Slalom Training benötigst du mehrere Pylonen oder andere für deinen Hund gut wahrnehmbare Gegenstände, die du in einer bequemen Hundelänge Abstand zueinander aufstellst. Vier bis fünf sind optimal, damit dein Hund in einen Bewegungsfluss kommt. Führe deinen Hund nun langsam um die Pylonen (Gegenstände) herum. Ist dein Hund geübt, kannst du die Abstände zwischen den einzelnen Pylonen variieren.

Intelligenzspielzeuge zur Förderung der Feinmotorik beim Hund

Auch viele Intelligenzspielzeuge, die unter Einsatz der Pfoten gelöst werden, fördern nicht nur geistige Fähigkeiten. Sie können auch dabei unterstützen, die Feinmotorik zu trainieren.

Du siehst, es gibt viele Möglichkeiten täglich in nur wenigen etwas für die Feinmotorik deines Hundes zu tun. Auch wenn sich das Training leicht in den Alltag integrieren läßt, solltest du dir immer ausreichend Zeit und Ruhe für ein bewusstes und somit effektives Training einplanen.

Übrigens: diese und viele weitere Übungen gibt es auch in meinen Doggy Fitness Online Kursen zur Hundefitness und Bewegungstraining. Sinnvoll miteinander kombiniert in professionellen Trainingsplänen und mit detaillierten Videoanleitungen.

Alles Liebe, deine Tina